Gut Sambach - Ein vielseitiger Betrieb
Das Gut Sambach, Stadtgut von Mühlhausen/Thüringen, ist ein um 1150 gegründetes Zisterzienser Kloster und wird seit 1991 biologisch-dynamisch bewirtschaftet. Dr. Friedhelm Feindt, der Bewirtschafter des Gutes, ist geprägt durch die Arbeit und das Leben auf dem elterlichen Betrieb im Südniedersachsen. Nach Jahren der Ausbildung und Promotion führte ihn sein Lebensweg zwischen 1977 und 1990 nach Thailand, Bangladesh, Pakistan und Tansania um für die FAO, BMZ und andere Organisationen als Experte für Pflanzenschutz und Ernährungssicherung tätig zu sein. Die Erlebnisse im Ausland, aggressives Marktverhalten der Agrarchemie, sinkende Bodenfruchtbarkeit und der rapide Verlust der Nahrungsqualität in Europa veranlassten ihn, den familiären Betrieb in Südniedersachsen auf ökologischen Anbau umzustellen. Auf der Suche nach einem größeren Betrieb wurde nach der Wende das Gut Sambach gefunden. Das ehemalige Kloster war damals Teil eines Volkseigenen Gutes, VEG. Mit dem Kauf von Inventar und Vieh übernahm Herr Feindt im Oktober 1991 den Betrieb, pachtete 450 ha Fläche und die Gebäude.
Heute bewirtschaftet Gut Sambach insgesamt eine Fläche von 520 ha, 370 ha Ackerland und 150 ha Grünland. Auf dem Ackerland gedeiht Dinkel, Weizen, Roggen und Einkorn. Hafer-Erbsen, Wickroggen, Silomais und Kleegras dient als Futter für 150 Milchkühe und deren Nachzucht, Sommergerste-Erbsen und Kartoffeln als Futter für 200 Mastschweine.
In der hofeigenen Fleischerei werden handwerkliche Fleisch- und Wurstprodukte hergestellt, wie die „Sambacher Stracke“. Seit neustem wird auch ein Teil der Milch in einer hofeigenen Käserei und ein Teil des Getreides in einer hofeigenen Backstube weiterverarbeitet.
Den Schritt, den größten Teil des Getreides über die Erzeugergemeinschaft Demeter-Felderzeugnisse zu vertreiben, begründet Herr Feindt damit, dass größere Mengen der landwirtschaftlichen Produkte auch als Demeter-Ware vermarktet werden können ohne sich selbst um den Absatz kümmern zu müssen. „Dadurch können wir uns voll auf unsere landwirtschaftliche Kompetenz konzentrieren“, erklärt Herr Feindt.
Dank eines langfristigen Erbbaurechtsvertrages sind auf dem Hof Arbeitsplätze für behinderte Menschen im ökologischen Land- und Gartenbau über den gemeinnützigen Träger Gut Sambach gGmbH entstanden. Zur Zeit sind 18 Mitarbeiter in der Tierproduktion, im Ackerbau, im Gartenbau, in der Verarbeitung und der Vermarktung beschäftigt. Zusätzlich werden 24 geistig und seelisch behinderte Menschen im Rahmen einer WfbM betreut. Gleichzeitig hat die Lebensgemeinschaft Sambach e.V. in den letzten Jahren mit zwei neuen Wohnheimen ein gemütliches Zuhause auf dem Hof für behinderte Menschen errichtet.
Die Tierhaltung, die auf einem Demeter-Hof obligatorisch ist, gibt die Möglichkeit eine ganzheitliche Kreislaufwirtschaft zu betreiben. „Die Arbeit mit den Tieren ist gerade für unsere behinderten Menschen eine sehr wichtige und bereichernde Arbeit, da Tiere ein Gespür für Situationen und Stimmungen haben und ein Gefühl von Verantwortung und Sicherheit geben “erzählt Herr Feindt voller Begeisterung.
Die Arbeit in der Landwirtschaft verlangt viel Wissen, Erfahrung und Engagement und gerade deshalb, erklärt Herr Feindt, ist die Tätigkeit auf Gut Sambach für ihn nicht nur Arbeit sondern Leben.
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